Der Pastor der Straßenräuber

15.1.2019

Er war der Pastor der Gangster und Straßenräuber. Er hatte ein Herz für sie. Und eine offene Tür. Pastor einer kleinen Baptistengemeinde am Rand von Johannesburg war er. In einer der sogenannten Townships. Hier lebten Farbige. Die dazwischen also. Nicht schwarz, nicht weiß. Schwarzer Vater, weiße Mutter, indischer Vater, schwarze Mutter und alle möglichen anderen Kombinationen. „Coloured People“ hießen sie im alten Südafrika. Und heißen sie im neuen Südafrika immer noch. Coloured. Farbig. Mancher sagt bitter: „Früher waren wir nicht weiß genug, heute sind wir nicht schwarz genug.“ Viele arme Leute. Kinder und Jugendliche, die auf der Straße leben. Andere überfallen und ausrauben, um selbst etwas zum Leben zu haben. Das war 1966 so, als er, Samuel Burgers, hierherkam. Das ist heute nicht viel anders.

 

Meine Gemeinde ist klein, dachte er damals. Und mein Gemeindehaus ist es auch. Aber ich könnte doch vielleicht den einen oder anderen Jungen bei mir aufnehmen. Was ein Wagnis war. Denn er bekam kein Gehalt. Wer hätte das auch bezahlen sollen, damals, 1966! Aber, so schrieb er viele Jahre später: „ Der Herr hat in seiner Gnade immer wieder für das Notwendige gesorgt, für alles, was die Jungen brauchten.“

 

Diesen Herrn hatte er selbst 1954 kennen gelernt. Als er am Ende gewesen war und sich das Leben hatte nehmen wollen. Er hatte es nicht leicht gehabt bis dahin. Die Eltern waren gestorben, als er noch ein kleiner Junge war. Er wusste, wie sich das anfühlt, wenn man keinen Menschen mehr hat. Und keine Perspektive.

 

Nun aber wusste er sich berufen, sich um die zu kümmern, die auch am Ende waren, obwohl das Leben bei vielen eigentlich eben erst begonnen hatte.

 

Einer war es erst einmal, der bei ihm einzog, dann kamen zwei, dann drei weitere. Zeitweise wohnten 15, 16 Jungen in seiner bescheidenen Bleibe. Hatten ein Dach über dem Kopf. Bekamen zu essen. Und erfuhren etwas von dem Gott, der ihren Papa Jahre zuvor auch aus dem Sumpf der Hoffnungslosigkeit gezogen hatte. Schon bald nannte man sie die Pastor Boys. 

 

Das alles aber war noch nicht genug für Pastor Burgers. Er begann damit, andere Kinder einzuladen. Einmal in der Woche. Zum Essen und zu einer biblischen Geschichte. Mit Hilfe deutscher Freunde entstand ein kleines Hilfsprojekt: Bread of Life, Brot des Lebens. Brot gab es wirklich. Und eben auch das Bot vom Himmel. Ein gutes Wort vom himmlischen Vater.

 

Als wir Pastor Burgers das letzte Mal trafen, lächelte er uns verschmiutzt an. „Manchmal fühle ich mich wie Vater Abraham!“ Das war ein bisschen übertrieben, klar. Aber auch er konnte die Kinder nicht mehr zählen, die durch ihn neue Hoffnung bekommen hatten.

 

Am 28. Feburar 2017 ist er heimgegangen. Schon länger litt er an Diabetes und an Herzproblemen. Die Trauerfeier war trotzdem ein Dankfest. Hinter seinem Sarg gingen 46 ehemalige Pastor Boys, die inzwischen selbst Pastoren geworden waren. 46!

 

Die Arbeit geht weiter. Auch ohne ihn. Er fehlt, ja. Aber seine Liebe lebt weiter. Vor allem aber die Liebe des Gottes, der die Fremdlinge und Waisen und Witwen behütet. In Südafrika und hier bei uns. Und der diese Liebe nicht zuletzt durch uns zu den Menschen bringen möchte.

 

Please reload

Werth zum Thema

1.10.2018

Please reload