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"Nahaufnahme." 

 
 
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Angedacht

Allen alten Mustern zum Trotz

 

Sie hatte sich befreit. Von dem narzisstischen Despoten, der sie einmal verzaubert hatte. Der sie auf Händen getragen hatte. Aber nur, damit sie ihn bewunderte. Überhaupt war es wohl das, was er immer und überall und von jedem einforderte: Bewunderung. Als ihre Bewunderung kleiner geworden war, weil mehr und mehr die dunklen Seiten seiner Persönlichkeit zum Vorschein gekommen waren, hatte er sie mit denselben Händen, mit denen er sie früher getragen hatte, geschlagen. Endlich hatte sie sich befreit. Oder besser: Hatte sie sich befreien lassen. Denn alleine kommt man aus einem solchen Gefängnis nur selten wieder raus. Sie hatte menschliche Hilfe. Weise Berater. Beherzte Freunde. Und sie hatte Gott. Den Befreier.

 

Dann hatte sie ihn getroffen. Der war so wie er, von dem sie sich befreit hatte, auch gewesen war in den ersten Monaten ihrer Beziehung. Charmant. Gewinnend. Verführerisch. Er hatte sie auf Händen getragen. Bis - sie eines Tages merkte, dass sie auf dasselbe böse Spiel herein gefallen war. Sie hatte das eine Gefängnis verlassen um in einem anderen zu landen.

 

So geht das oft und leider immer wieder. Weil die alten Muster sich tief in unsere Seele eingebrannt haben und wir meist gar nicht anders können als uns nach ihnen zu richten in unseren kleinen und großen Entscheidungen. Sind wir frei? Wollen wir überhaupt frei sein? Können wir‘s? Darüber streiten die Gelehrten seit Jahrhunderten. Die Bibel sagt: Nein, wir sind es nicht. Jenseits von Eden sind wir versklavt an tausend Herren, nicht zuletzt an uns selbst. 

 

Augustinus hat einmal beklagt, die angebliche menschliche Freiheit sei nichts als ein Rasseln mit unseren Ketten. Was wir jeden Tag erleben können. Der amerikanische Theologe William Willimond schreibt: „Im Supermarkt des Verlangens ist es unser Schicksal, endlos zu konsumieren und nie wirklich zufrieden zu sein.“

 

Gott weiß das. Gott kennt uns. Und er liebt uns. Eine Schlüsselgeschichte dazu erzählt die Bibel.

 

Gott hatte Israel, sein geliebtes Volk, in einem wirklich aufwändigen Prozess aus der Gefangenschaft in Ägypten heraus geholt. Um nur wenig später sehen zu müssen, wie sich eben dieses Volk allzu bereitwillig anderen Herren unterwarf. Sogar einem menschengemachten Goldenen Kalb. „Ich habe euch doch befreit!“ lässt er den Menschen sagen. „Ich habe euch doch ermöglicht, dass ihr in wirklicher Freiheit leben könnt! Ich habe doch dafür gesorgt, dass ihr wieder aufrecht gehen könnt, dass euch nichts und niemand mehr beugen kann. Nun unterwerft euch doch bittebitte nicht neuen Sklavenhaltern!“

 

Paulus schreibt später an die Galater und damit auch an uns: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“

 

Was ist der Ausweg?

 

Wirkliche Freiheit gibt es nur in der Bindung an Jesus Christus. Heißt: Wer nicht von anderen Herren versklavt werden möchte, auch nicht von sich selbst, auch nicht von den Mustern, die sein Leben bestimmen, der muss sich an Jesus binden. Da ist Freiheit. Aber auch nur da. Ein anderes Bild: Wer seine Knie vor Jesus beugt, muss sich von Menschen nicht mehr beugen lassen, er kann aufrecht stehen, aufrecht gehen, aufrecht leben.

 

Ich will das lernen. Immer wieder neu. Ich will das einüben. Jeden Tag.

(Ein Wort zum Tag, ausgestrahlt auf ERF Plus)

Eigentlich…

Stationen meines Lebens


Eigentlich wollte ich zur Stadtverwaltung. Dann ging ich zur Penne. Eigentlich wollte ich Theologie studieren. Dann wurde ich Journalist. Eigentlich wollte ich nach Bielefeld. Zur Evangelischen Kirchenzeitung „Unsere Kirche“. Dann lag eines Tages dieser Brief aus Wetzlar im Briefkasten. Vom „Evangeliums-Rundfunk, Programmdirektor Horst Marquardt.“ Sie hätten gehört, ich wäre Redakteur und es wäre eventuell möglich, meine Mitarbeit zu gewinnen... 


Eigentlich wollte ich zunächst immer etwas anderes.

Auch in Sachen Musik.

 

In Lüdenscheid hatte ich eine Band gehabt, die "Dynamic News". Regelmäßig hatten wir in einem Jugendgottesdienst in der Kreuzkirche gespielt. Der Umzug nach Wetzlar hatte für mich auch das Ende der Band bedeutet. Und damit meiner Musik. Eigentlich.

 

Als plötzlich Hans Herbold von der jungen welle neue Musikaufnahmen fürs Archiv veranlasste. Mit Playbacks der "Noah's Band" aus den USA. Und ihm einfiel: "Du hast doch auch Lieder geschrieben." Und ich auf einmal wunderschöne Studioaufnahmen hatte vom "Mann aus Nazareth" und anderen Hits aus der Vergangenheit. Und Siegfried Fietz vom Verlag Hermann Schulte (heute Gerth Medien) daraus unbedingt eine Schallplatte machen wollte. Und ich völlig ungeplant und unerwartet plötzlich diese Schallplatte in den Händen hielt: "Eine Taube spricht zu mir". Und die Musik in mir zu neuem Leben erwachte ...

 

Und im ERF? Eigentlich wollte ich zwischenzeitlich immer wieder mal weg. Eigentlich wollte ich nicht Chefredakteur werden. Und erst Recht nicht Direktor. 

Eigentlich. 

Doch eigentümlich, Gott zog und drängte und lockte und warb, bis er mich immer wieder da hatte, wo er mich haben wollte. Dieser liebevolle, geduldige, einfühlsame und konsequente Gott. 

Als meine ERF Geschichte begann, schrieben wir das Jahr 1973. Der ERF, der damals nur ausgeschrieben „Evangeliums-Rundfunk“ hieß, war gerade ins neue Funkhaus am Berliner Ring eingezogen. Es gab rund 70 Mitarbeiter, und der Monatsetat lag bei 300 000 Mark ... Es gab die Doppelspitze Marquardt/Mann und eigentlich nur zwei Abteilungen: die Redaktion und die Verwaltung. 

Mehr als 40 Jahre später ist nicht alles, aber doch fast alles anders. Und ich hab’s miterlebt, ja sogar ein gutes Stück mit gestalten dürfen. So ist der ERF ein stattlicher Teil meiner Geschichte geworden. 
Und ich ein Teil seiner Geschichte. Wie sähen wohl beide ein bisschen anders aus, wenn wir einander nicht begegnet wären. Mehr als 40 Jahre am selben Arbeitsplatz, davon über 20 Jahre lang als Chef - wenn ich das so erzähle, kommt’s mir beinahe langweilig vor. Phantasielos. Doch was steckt nicht alles in diesen Jahren! 


Ungezählte Sendungen zunächst mal. Mein erstes Highlight war die aktuelle Berichterstattung vom „Internationalen Kongress für Weltevangelisation“ in Lausanne. 1974 war das. Jawohl, ich bin Lausanner der ersten Stunde! 

Mehr als 40 Jahre - das sind aber auch ungezählte Begegnungen. Von Cliff Richard über Manfred Hausmann und Corrie ten Boom bis zu Helmut Thielicke und Billy Graham. Und 246 „Werthe Gäste“.

Und die Familie. Und Freunde. Gefährten. Seelentröster und Tränentrockner und Motivationskünstler.

 

2003 wollte ich wieder mal weg. Hatte lange überlegt und mit Gott und guten Freunden geredet. Aber Gott verhielt sich ausgesprochen zurückhaltend.

Ein Freund aus München sagte mir, wie das aus seiner Sicht so ist mit Gott und seinen Menschen: „Er sitzt neben dir auf dem Sofa, lächelt dir freundlich zu und sagt: Nun bin ich aber mal gespannt, wie du dich entscheidest.“

 

Will sagen: Ich muss nicht auf längst gelegten Schienen fahren. Gott erfindet mein Leben jeden Tag neu. Mit mir zusammen. Der Münchener Freund: „Lebensgeschichte ist Schöpfungsgeschichte.“ Ein spannender Gedanke.

 

Also entschied ich mich zu gehen. Und war innerlich längst weg, als erste Hinweise kamen, dass ich diese Entscheidung vielleicht noch einmal überdenken sollte. Hinweise von Menschen und, ja, wohl auch Hinweise von Gott. Und als mich der damalige ERF Vorstand fragte, ob ich mir nicht vielleicht doch vorstellen könnte zu bleiben, begann der Entscheidungsprozess von vorn.

 

Und dann bin ich geblieben. Nein, ich bin zurück gekommen. Weil ich ja eigentlich schon weg war. 

 

Eigentlich…

 

Aber nun bin ich weg. Hab mich am 30. September 2014 feierlich entpflichten lassen. Und bin seitdem hauptberuflich, was ich nebenberuflich schon immer war: Autor, Liedermacher, Moderator, Prediger. Wortmaler und Erzählsänger. "Lebt als freier Schriftsteller in Wetzlar." Like!

 

Manches Buch ist seitdem entstanden. Und nach vielen Jahren eine neue CD. Ich bin soooo glücklich. Ist nämlich soooo schön geworden. Anrührend. Ganz und gar authentisch. Irgendwie die Quintessenz dessen, was ich bisher geschrieben und gesungen habe. "Nahaufnahme" heißt sie. Danke, Florian Sitzmann! Das jüngste, sehr persönliches Buch heißt "Doch Gott sieht das Herz". Mit Bildern des wunderbaren Eberhard Münch. 2018 folgen weitere Bücher.

 

Ja, das ist wohl so: Gott erfindet unser Leben jeden Tag neu. Es ist aufregend an seiner Hand zu leben.

 

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Vita

 

Jürgen Werth, geboren 1951 in Lüdenscheid. 

 

Volontär und Redakteur bei der Westfälischen Rundschau in Dortmund, Hagen und Lüdenscheid. 

 

Bis 2014 bei ERF Medien in Wetzlar, u. a. als verantwortlicher Redakteur für „e.r.f. junge welle“, als Chefredakteur und als Programmdirektor. 

 

Von 1994 bis zum Ende seiner Dienstzeit Direktor bzw. Vorstandsvorsitzender. 

 

TV-Moderator („Wartburg-Gespräche“ und „Werthe Gäste“) und Moderator der Großevangelisation „ProChrist“. Drei Jahre lang Sprecher beim „Wort zum Sonntag“ (ARD).  

 

Von 2007 bis 2011 ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz. 

 

Er lebt als freier Schriftsteller, Liedermacher und Referent in Wetzlar. Er ist verheiratet mit Angela und hat drei erwachsene Kinder und sieben Enkelkinder.

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